Innovativ seit 125 Jahren

Köpfe, die für Innovation stehen!

Was macht Erfolg von Unternehmen aus?

Moderator Bernd Flohr (von links), Jörg-Peter Mehrer, Wolfgang Pupke, Rainer Schack und Jens Baumeister.

Was macht den Erfolg von Unternehmen aus? Wie bleibt er bestehen? Antworten darauf gaben am Montag bei den Balinger Wirtschaftsgesprächen in der Stadthalle Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut auf der einen und vier Geschäftsführer aus Balingen.

Für Wolfgang Pupke ist das "Konzept Freundeskreis" ein Erfolgsgarant von Optik Metzger. Nach den Worten des Geschäftsführers würden beim Treffen befreundeter Optiker immer wieder neue Ideen entwickelt, aus denen inzwischen Kollektionen entstanden seien. Das "Wichtigste" sei aber "unser Team", das den Erfolg trage. Jeder bringe seinen Teil ein, was zu Innovation und Motivation führe, so Pupke weiter. Er empfahl den Blick zurück - "Wo kommen wir her?" -, aber auch voraus, entsprechend dem Motto "In der Vergangenheit liegt die Zukunft." Über den Erfolg der Balinger Wirtschaftsgesprächen freute sich Oberbürgermeister Helmut Reitemann. Wegen des großen Interesses musste erneut vom Kleinen in den Großen Saal ausgewichen werden. Sein Fazit: "Die Wirtschaftsgespräche haben sich etabliert."

Schwarzwälder Bote | Detlef Hauser

Ihre Brille fliegt nach Sansibar

Eine Brille ist etwas Kostbares in Sansibar. In den letzten Wochen wurde im bei Optiker Metzger in der Neckargasse geprüft, geputzt und vermessen. Kostbares für Sansibar wurde reisefertig gemacht – Brillen in unterschiedlichen Sehstärken. Stammkunden von Optiker Metzger in Tübingen und Balingen hatten ihre alten Brillen für die Tübinger Hilfsorganisation Go For Zanzibar e.V. (GOZA) gespendet. Die Auszubildenden Max Spreitz und Moritz Werner übernahmen die Fleißarbeit und richteten die Spendenbrillen so, dass sie von dem Augenarzt Dr. Fatawi im Buschkrankenhaus in Makunduchi auf dem tansanischen Inselarchipel Sansibar sofort verteilt werden können. Wie kam es zu der Sammelaktion? Die Initiative ging von Filialleiter und Optikermeister, Ralf Müller aus, der sowohl Mussa Khamis, Projektmanager von GOZA als auch das Gründerehepaar der Hilfsorganisation Antje Fleischer und Mario Müller als Stammkunden in Tübingen berät. „Mich hat interessiert, warum die drei immer wieder nach Sansibar reisen. Da habe ich einfach gefragt und von dem Engagement vor Ort erfahren. Nach den Erzählungen war sofort klar, da können und wollen wir ganz unbürokratisch helfen“, berichtet Ralf Müller. 103 Brillen gehen dieses Mal auf die rund 7.000 Kilometer weite Reise nach Sansibar/Tansania – in eines der ärmsten Länder der Welt. „Und die Sammlung geht weiter!“, freut sich Antje Fleischer. „Und nicht nur das – auch die Kosten für das Zusatzgepäck und für die Arbeit vor Ort wurde von Geschäftsführer Wolfgang Pupke in Form einer Spende übernommen. Unkomplizierter kann eine Zusammenarbeit nicht laufen.“

Hermann sorgt für Durchblick

Die Manufaktur Spreitz in Metzingen stellt noch alle Teile einer Brillenfassung selbst her. Bei mehr als der Hälfte aller in Deutschland gefertigten Brillen hat das kleine Unternehmen seine Finger im Spiel.

Hermann hat Ecken und Kanten. Gerade mal acht Gramm bringt er auf die Waage. Das Brillenmodell ist aus Edelstahl gefertigt und wirkt schlicht und geradlinig. Seine ersten Tage verbrachte Hermann unter der Regie von Emil Spreitz und seinen Mitarbeitern in einer Brillenmanufaktur in Metzingen. Seit acht Jahren stellt Spreitz Brillen her.

Dabei war das Metier anfangs neu für den Geschäftsführer: Zuvor hat er als Verkaufsleiter in der Elektrobranche gearbeitet. Über eine Plattform der Industrie- und Handelskammer, die Nachfolger für Unternehmen vermittelt, stieß er auf die Brillenproduktion. Er übernahm den Betrieb. Das sei eine Bauchentscheidung gewesen. Die erste Kollektion war "absolut unverkäuflich", sagt Spreitz. "Da wären wir fast Pleite gegangen". Durch Ausprobieren wuchs aber die Erfahrung, die Fassungen wurden besser. Inzwischen produziert die Manufaktur mit zehn Mitarbeitern ungefähr 15.000 Brillen im Jahr.

"Außerdem liefern wir auch Brillenteile an die Großen der Branche", berichtet der Unternehmer. Bei ungefähr 60 Prozent aller in Deutschland gefertigten Brillen hätten sie ihre Finger im Spiel, schätzt er. Eine seiner Maschinen fertigt zum Beispiel Tag und Nacht so genannte Stegstützen: Dünne Metallteile, die die Pads, mit denen die Brille auf der Nase aufliegt, mit dem Gestell verbinden. Diese Teile werden dann auch an andere Hersteller weiterverkauft.

Brille Hermann nimmt ihren Anfang als aufgerollte Edelstahlplatte in einer Ecke der kleinen Produktionshalle. Daraus werden Flächen in etwa der Größe eines Taschenbuches ausgeschnitten, die anschließend in eine Lasermaschine wandern. Ein Fenster gewährt Einblick in die Maschine: Der Laser fährt leise über die silberne Platte, darunter sprühen ein paar Funken. Langsam entstehen Brillenbügel. Später sind dann die die Vorderteile an der Reihe.

Modell Hermann gehört zur Kollektion "Ludwigs". Diese Gestelle werden extra für Optik Metzger in Tübingen und Balingen gefertigt, benannt sind sie nach den Mitarbeitern. Seit Frühling vergangenen Jahres arbeitet der Optiker mit Spreitz zusammen. Seitdem konnten etwa 500 Fassungen der eigenen Kollektion verkauft werden. Entworfen werden die Modelle von den Optikern selbst.

Wolfgang Pupke, Optikermeister und Geschäftsführer, ist die Flexibilität wichtig. "Wenn ich einen Kunden mit einem Riesen-Kopf habe, kann ich die Brille hier einfach anders bestellen", sagt er. Außerdem werde hier alles noch in Baden-Württemberg gefertigt.

Das ist in der Branche selten geworden: Früher war Deutschland eine Brillen-Hochburg, berichtet Spreitz. Heute kämen die meisten Fassungen aus Fernost.

Hermann gelangt in Metzingen zur nächsten Station: In einem Nebenraum liegen Fässer aus Holz auf dem Boden. Die Luft ist warm und stickig, in zwei Fässern klappert es. Spreitz fasst in ein stillstehendes hinein und holt eine Hand voll kleiner Holzteile heraus. Darin werden die scharfkantigen Ränder der Brillen geglättet, erklärt er. Die Fassungen kommen hinein, dann drehen sich die Fässer. Die Brillenfassungen sind "eine gute halbe Woche nur beim Trommeln", sagt Spreitz.Das "Trommeln" ist nur einer von bis zu 200 Produktionsschritten, die eine Brillenfassung bei der Manufaktur durchläuft. Danach werden werden die Scharniere für die Bügel mit Strom angeheftet, ein Schleifstein glättet kleine Unebenheiten. Bislang ist die Fassung aber noch flach wie ein Blatt Papier: Das Material muss erwärmt und gebogen werden. Um schließlich die Fassungen zu öffnen und die Gläser einzufügen, ist ein so genannter Schließblock nötig, ein winziges Metallteil. Auch dafür hat Spreitz eine eigene Maschine.

Die Manufaktur ist die einzige in Deutschland, die diese Teile noch produziert. Insgesamt gibt es in der Bundesrepublik fünf Brillenmanufakturen, berichtet Spreitz. Drei davon bieten aber nur Kunststoff-Fassungen an. "Wir sind die einzigen in Deutschland, die ein Komplettangebot haben", sagt der 46-Jährige. Alle Einzelteile werden in Metzingen selbst gefertigt.

In einem Durchgangsraum zwischen Büro und Produktionshalle sitzt Spreitz' Sohn Max an einem Tisch. Er ist für die Endmontage zuständig. Normalerweise macht der 17-Jährige eine Ausbildung zum Augenoptiker bei Optik Metzger. Heute, an seinem freien Tag, bestückt er die Fassungen mit Gläsern. Das sind momentan aber nur Plangläser ohne Stärke, erklärt er. Auch dafür hat die Manufaktur eine eigene Maschine, die die Gläser in die richtige Größe schleift. Erst wenn der Kunde im Laden die Brille gekauft hat, werden die richtigen Gläser angepasst, erklärt Max. Das findet aber nicht mehr in der Metzinger Manufaktur statt. Zum Schluss steckt Max noch Enden aus Gummi auf die Brillenbügel. Dann geht es für Hermann und seine Kollegen in den Brillenladen.

 

Südwestpresse | BIANCA FRIESS |  26.01.2016